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China baut das Weltstromnetz


Ein chinesischer Staatskonzern kauft sich überall auf der Welt in regionale Stromnetze ein. Es ist der erste Schritt eines dreistufigen Plans - an dessen Ende eine interkontinentale Energieversorgung stehen soll.

Gigantische Windparks am Nordpol, die mit Solarparks rund um den Äquator verbunden sind: Wenn Zhenya Liu, der langjährige Chef des chinesischen Stromnetzbetreibers State Grid Corporation of China (SGCC), über die Energieversorgung der Zukunft spricht, geht es um die ganz große Vision. Es geht um ein Stromnetz, das Länder rund um den Globus miteinander verbindet. In dessen Mittelpunkt liegt sein Heimatland, China.

Bis 2050 will State Grid die Vision vom Weltstromnetz verwirklichen - in drei Schritten: Bis 2020 will man die regionale Vernetzung vorantreiben, bis 2030 den Ausbau der erneuerbaren Energien, bis 2050 schließlich die interkontinentale Vernetzung.

Schritt eins ist laut "Financial Times" schon im vollen Gange. Seit 2013 haben sich State Grid und weitere chinesische Firmen demnach mit rund 123 Milliarden Dollar in Stromnetze auf der ganzen Welt eingekauft. Entsprechende Deals habe es unter anderem in Chile, Brasilien, Russland, Portugal, Nigeria, Südafrika, Pakistan, Australien und auf den Philippinen gegeben, berichtet die Zeitung unter Berufung auf eine Studie der Washingtoner Beratungsfirma RWR Advisory.

102 Milliarden Dollar seien demnach in den Bau oder in Übernahmen von regionalen Stromnetzen investiert worden, die restlichen 21 Milliarden hätten die Chinesen weltweit als Darlehen für entsprechende Projekte vergeben. Rechne man noch alle Investitionen in Kraftwerke hinzu, kämen sogar stolze 452 Milliarden Dollar zusammen.

State Grid hatte zuletzt auch versucht, in Deutschland Fuß zu fassen und einen 20-prozentigen Anteil an dem Stromnetzbetreiber 50Hertz zu übernehmen. Nachdem dies Unmut in der Bundesregierung provoziert hatte, ging der Anteil jedoch an das belgische Unternehmen Elia.

Unterstützung von ganz oben

Chinas Präsident Xi Jinping hatte bereits im September 2015 vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen für ein weltumspannendes Energienetz geworben. Er begründete dies mit der Verteilung von Wohlstand und einem Beitrag zum Weltfrieden. State-Grid-Chef Zhenya Liu selbst betonte, sein Ziel sei es nicht, überall auf der Welt die Stromnetze zu besitzen und zu betreiben.

Dennoch dürften hinter der Initiative auch machtpolitische Motive stecken. Stromnetze gelten als äußerst kritische Infrastruktur, denn immerhin ist eine stabile Energieversorgung nicht weniger als die Basis für eine florierende Wirtschaft.

Entsprechend sehen Kritiker in Chinas Vorstoß eine Ergänzung zum Bau einer neuen Seidenstraße, deren Ziel es ist, China entlang alter Handelsrouten besser mit anderen Ländern zu vernetzen. Rund 900 Milliarden Dollar sollen investiert werden, um Pipelines, Kraftwerke, Straßen, Eisenbahnen, Häfen und Flughäfen zu bauen. Mit dem Projekt will Xi an die Größe Chinas zu Zeiten Marco Polos anknüpfen.

Der Plan, ein globales Stromnetz zu schaffen, wird erst durch eine neue Technologie möglich, in der China immer mehr die Vorherrschaft übernimmt: die sogenannte Ultrahochspannungstechnik (UHV), bei der 800.000 Volt über Gleichstromkabel oder bis zu 1,1 Millionen Volt über Wechselstromsysteme geleitet werden. Diese Technik erlaubt es, Strom über sehr weite Distanzen mit vergleichsweise geringen Verlusten zu transportieren.

Während deutsche Konzerne an solchen Lösungen arbeiten, sind UHV-Leitungen in China bereits seit Jahren im Einsatz - und das im großen Stil. Der ehemalige US-Energieminister Steven Chu nannte den Durchbruch bei der UHV-Technik einmal Chinas "Sputnik-Moment". Wie damals im Jahr 1957, als die Russen vor den Amerikanern einen Satelliten ins All schossen, hätten sich nun die Chinesen bei den Stromleitungen einen technologischen Vorsprung erarbeitet.

Reposted fromFreeminder23 Freeminder23

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