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Die Linke hat das Argumentieren verlernt


Wer glaubt schon, dass die heutigen Linken im Adenauer-Deutschland in der Lage gewesen wären, die Gleichberechtigung zu erstreiten? Sie hätten den „Alten“ als weißen, heterosexuellen, cis-gender Mann beschimpft – viel mehr wäre ihnen nicht eingefallen.
In den letzten Jahren haben sich politische Debatten merklich aufgeheizt. Dies liegt zum einem daran, dass die Themen also solche brisanter geworden sind, aber vor allem daran, dass die Fähigkeit zum Diskurs in der Linken fast völlig verloren gegangen ist. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Der „Marsch durch die Institutionen“ hat dafür gesorgt, dass die meinungsbildenden Eliten in Deutschland mehrheitlich links ticken. Allein durch die schiere Zahl war es ihnen möglich, zu bestimmen, was wahr und was falsch ist. Begründungen waren überflüssig. Im Zweifelsfall sorgte schon die Nazikeule dafür, dass die Dissidenten sich beugten. Wer in solch bequemer Position war, verlernte logischerweise, dass man im Zweifelsfalle für seine Position auch streiten muss, dass pro und contra ausgewogen sein sollten.
argumentum ad hominem

Welche Fehler haben sich im Laufe der Zeit in die Debattenkultur eingeschlichen? Wohl an oberster Stelle steht das „argumentum ad hominem“, der Angriff auf die Person. Statt über Fakten zu diskutieren, soll der Überbringer der Botschaft diskreditiert werden. Teilt jemand den Link eines falschen Mediums, muss man den Inhalt des jeweiligen Artikels nicht mehr diskutieren – er ist ja rechts. Wer den Islam kritisiert, wird gefragt, ob er denn den Koran auf arabisch gelesen habe. Wer Rassismusvorwürfe kritisch hinterfragt, dem wird vorgehalten, man könne als weiße Person unmöglich Rassismus nachempfinden und solle besser sein „weißes Privileg“ hinterfragen. Mal abgesehen davon, dass man als Weißer sehr wohl Rassismus erfahren kann, wird eine politische Diskussion zur reinen Gefühlsangelegenheit erklärt. Argumente stören da nur. Das ständige Gerede vom „weißen Privileg“ dürfte wohl vor allem bei weißen, heterosexuellen, männlichen Hartz-IV-Empfängern für Irritationen sorgen.

argumentum tu quoque

Nah verwandt ist das „argumentum tu quoque“, auch bekannt als „whataboutism“. Nach dem Motto „Du doch auch!“, werden Verfehlungen beider Seiten gegeneinander aufgerechnet. Zählt man die islamischen Gewaltakte auf, wird mit den Verfehlungen des Christentums gekontert. Wirft die CDU der Linkspartei vor, in ihren Reihen ehemalige Stasispitzel zu dulden, wird umgekehrt daran erinnert, dass die Christdemokraten in der Nachkriegszeit viele frühere NSDAP-Mitglieder in ihren Reihen duldeten. Dadurch ist aber weder der Islam friedlich geworden, noch haben sich die IM-Biographien in Luft aufgelöst.


Auch ist die Unterscheidung zwischen deskriptiven und normativen Aussagen verloren gegangen. Während erstere nur einen Sachverhalt beschreiben, sind letztere mit einem Werturteil verknüpft. So hatte vor wenigen Monaten ein Google-Mitarbeiter eine Debatte über angeborene Geschlechtsunterschiede angestoßen und wurde nach Sexismusvorwürfen gefeuert. Eine rein deskriptive Aussage ist jedoch entweder wahr oder falsch – aber nicht sexistisch (oder rassistisch, homophob etc.). Erst eine normative Aussage, die nicht den Ist-, sondern den Soll-Zustand beschreibt, kann dies sein. Die Aussage, dass Frauen sich auf ihre Rolle als Hausfrau und Mutter beschränken sollten, ist keine Tatsachenbeschreibung, sondern ein Werturteil – und kann daher auch sexistisch sein. Genau umgekehrt argumentieren viele Linke. Weil ihnen die Gleichberechtigung wichtig ist, schlussfolgern sie, dass keinerlei biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern existieren. Wissenschaftlich ist dies allerdings nicht haltbar.
-istisch

Ein weiterer Fehler ist die Tendenz mit Wörtern, statt mit Argumenten zu argumentieren. So wurde beispielsweise Thilo Sarrazin 2010 aus der politischen Klasse wiederholt vorgeworfen, „biologistisch“ zu argumentieren. Allein der Gebrauch des Wortes hatte klargestellt, dass eine Diskussion gefälligst zu unterbleiben habe. Denn die Wortendung „-istisch“ hat einen negativen Klang. Rassistisch. Faschistisch. Sozialdarwinistisch. In diese Ecke sollte Sarrazin geschoben werden. Tatsächlich hatte er aber nicht biologistisch, sondern schlicht biologisch argumentiert. Und in diesem Falle hätte man klar benennen sollen, wo in seinen Ausführungen denn nun ein Fehler steckte. Diese Diskussion wollte die politische Klasse aber nicht führen. Tatsächlich zählten zu Sarrazins Quellen Standardwerke, die im Psychologiestudium empfohlen werden. Zwei Intelligenzforscher hielten fest, dass er den Forschungsstand korrekt wiedergegeben habe. In den letzten Monaten ist es Wissenschaftlern zudem gelungen, mehrere Gene, die für Intelligenz zuständig sind, zu identifizieren.


Auch auf anderen Feldern scheint es genehm, ein Problem einfach umzubenennen, statt es zu lösen. So hieß es 2006 in der Debatte um die sog. Unterschicht, dass es diese nicht gebe – wohl aber eine „Grundschicht“, ein „abgehängtes Prekariat“ oder „Menschen, die es schwerer als andere hätten „. Was genau hatte die Wortspielerei konkret an der Situation des einzelnen Hartz-IV-Beziehers geändert? Ähnlich ist die Debatte um geschlechterneutrale Pronomen zu beurteilen. Ob nun Binnen-I, Gender*Star oder Gender_Gap – ein neues Wort einzuführen ist immer leichter, als etwas an den tatsächlichen Umständen zu ändern.
Euphemismus-Tretmühle

Auch das Wort „Ausländer“ hat mehrere Wandel durchgemacht. Je nach Jahrzehnt war mal von Gastarbeitern, dann von Asylanten, bis hin zu Migranten die Rede. Oftmals gab die Politik neue Begrifflichkeiten vor und stellte dann erstaunt fest, dass das neue Wort schon nach kurzer Zeit den negativen Beiklang seines Vorgängers angenommen hatte. Dem normalen Bürger war nämlich jederzeit klar, dass die eigentliche Aussage hinter dem neuen Wort die alte geblieben war. Wenn „Ausländer“, häufig für Probleme sorgten, würden „Migranten“ kaum von einen Tag auf den anderen perfekt integriert sein. Der kanadische Psychologe Steven Pinker bezeichnete den Umstand, dass auch das „unbelastete“ Wort schnell die Bedeutung seines Vorgängers übernahm, als Euphemismus-Tretmühle – wie auf einem Laufband läuft man immer schneller und kommt doch nicht voran. Die Politik weigert sich jedoch beharrlich, diese Erkenntnisse wahrzunehmen und hält unbeirrt am Kurs der Umbenennungen fest.


Ähnelt eine politische Haltung auch nur entfernt den Positionen der NPD, gilt sie automatisch als falsch. Beispielsweise fordert die rechtsextreme Partei einen Ausstieg aus dem Euro. Man mag dieser Position nun zustimmen oder nicht, aber keinesfalls darf die Haltung der NPD dabei zum Kriterium werden. Entweder hat man handfeste ökonomische Argumente oder man hat sie nicht. Ohnehin ist es unsinnig anzunehmen, dass immer das Gegenteil dessen, was die NPD sagt, wahr sei. Denn dann müsste die NPD nur beklagen, dass Syrienkrieg, Arbeitslosigkeit und Krebs ein Problem wären und schon hätte sich diese Übel auf magische Weise aus der Welt verflüchtigt. Gänzlich konsequent ist man bei dieser Argumentation auch nicht. Dass die NPD gegen den Staat Israel hetzt, hält den radikalen Flügel der Partei Die Linke nicht davon ab, Hamas und Hisbollah als legitime antiimperialistische Befreiungsbewegungen zu feiern.
Gut und Böse

Problematisch ist am linken Denken auch das Festhalten an den geradezu metaphysischen Kategorien Gut und Böse. Wo Konservative versuchen, die Welt graduell zu verbessern, geht es den meisten Linken darum die nahezu perfekte Utopie zu verwirklich. Diesem Anspruch gerecht zu werden, ist natürlich unmöglich. Vor allem verkompliziert es den Umgang mit dem politischen Gegner.


George W. Bushs Invasion des Irak im Jahr 2003 erwies sich als kapitaler Fehler. Auch 14 Jahre später ist das Land nicht zur Ruhe gekommen, sondern hat sich im Gegenteil zum Rückzugsgebiet für Terroristen entwickelt. Insgesamt kamen schätzungsweise 300.000 Menschen ums Leben. Dennoch war das Urteil der Linken, die in Bush einen neuen Hitler sahen, zu hart. Denn tatsächlich starben die meisten Iraker nicht durch die Waffen der US-Armee, sondern durch den Glaubenskrieg zwischen Sunniten und Schiiten, befeuert von den regionalen Großmächten Saudi-Arabien und Iran. Dass Bush im Vergleich zu den Islamisten das deutlich kleinere Übel war, blieb jemandem, der keine Grautöne kennt, verborgen.
Grautöne gibt es nicht

Immer häufiger wird dem politischen Gegner vorgeworfen, nicht nur eine schlechte Politik zu betreiben, sondern darüber hinaus auch schlechte Absichten zu verfolgen. Doch dies muss nicht der Fall sein. So abscheulich die Verbrechen Josef Stalins auch waren, folgten sie doch guten Absichten. Der Versuch, die Motive des Gegenübers zu ergründen, wird jedoch immer seltener unternommen. So ist es zugeben schwierig, sich in die Gedankenwelt Adolf Hitlers einzufühlen, doch sollte es zumindest möglich sein, zu erkennen, dass auch Guido Westerwelle für eine – in seinen Augen – bessere Welt kämpfte. Dennoch: Als er 2010 von der „spätrömischen Dekadenz“ vieler Hartz-IV-Empfänger sprach, wurde er von der Linken mit der gleichen Leidenschaft gehasst, wie heute Alexander Gauland, denn Grautöne gibt es beim Urteil über Nicht-Linke nicht.


Felsenfest sind Linke davon überzeugt, die Guten zu sein und natürlich auch in allem Recht zu haben. Konservative hingegen liegen immer falsch und auch dort wo sie offensichtlich richtig liegen, will man es ihnen nicht zugestehen. Dabei ist es unmöglich, dass der politische Gegner immer falsch liegt. Angenommen man würde versuchen, bei einem Multiple-Choice-Test jede Frage falsch zu beantworten, hätte man zumindest bei einer handvoll Kästchen sein Kreuz an der richtigen Stelle gemacht.
Formel von den klugen Linken

Zu guter Letzt greifen immer mehr Linke zur ultimativen Waffe. Ist die Debatte festgefahren, kündigt man dem „bösen Rechten“ einfach die Freundschaft auf. Wohl viele Leser dürften diese Erfahrung in den vergangenen zwei Jahren gemacht haben. Immer wieder warnen die Linken, seit dem Aufstieg der AfD spalte sich die Gesellschaft – stellen sich aber nicht die Frage, ob Freundschaften womöglich eine Brücke zwischen den Lagern darstellen könnten.

Geschickt haben die Linken es geschafft, abweichende Meinungen als dumm hinzustellen, sie selbst gehören natürlich der geistigen Elite an. Sicher, viele bekannte Intellektuelle des 20. Jahrhunderts waren links. Beeindrucken lassen sollte man sich davon trotzdem nicht – viele von ihnen unterstützten kommunistischen Diktaturen, denen schätzungsweise 94 Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind.


Stimmt die Formel von den klugen Linken überhaupt? Glaubt man dem kanadischen Psychologen Gad Saad sind Universitätsprofessoren eher liberal. Allerdings häufen sich die Liberalen eher in den „weichen“ Disziplinen, wie beispielsweise Soziologie oder Kunst. Je „härter“ das Studienfach, zB. Naturwissenschaften, desto höher der Anteil der Konservativen. Der klassische Intellektuelle mag intelligenter sein als der Durchschnittsbürger, gehört allerdings innerhalb der Akademiker eher zum unteren Rand. Nun sind es aber eher Vertreter der Geisteswissenschaften, die sich in öffentlichen Debatten äußern und zum anderen können die eher linkslastigen Medien durch die Auswahl der Gesprächspartner bestimmen, wer Gehör findet und wer nicht. Denkbar ist auch, dass Naturwissenschaftler sich durch die Fehlerkultur in ihrem Fachbereich eher der eigenen Schwächen bewusst sind („Ich weiß, dass ich nichts weiß.“) Während Geisteswissenschaftler, die in ihrem beruflichen Alltag weniger mit Falsifikationen arbeiten, viel eher von der Richtigkeit der eigenen Annahmen überzeugt sind.
Denkfaulheit

Heißt das nun, dass diese Fehler dem linken Denken inhärent sind? Natürlich nicht. Grund der linken Denkfaulheit dürfte sein, dass die Linken lange eine Monopolstellung in der öffentlichen Debatte innehatten – man musste sich also gar nicht darum bemühen, an seinen Argumenten zu feilen. Viel eher sind es heute Konservative, die ihr Anliegen gut durchdenken müssen, bevor sie es vortragen.


Dies war im Adenauer-Deutschland naturgemäß anders. Genau so, wie die Linken heute diffamieren und ausgrenzen, wurden sie in den 50er und 60er Jahren noch selbst diffamiert und ausgegrenzt. Damals stritten sie noch für die gute Sache. Auch wenn der Feminismus sich mehr und mehr zu einem Sexismus gegen Männer wandelt – wer will schon bestreiten, dass er angesichts der damaligen Verhältnisse seine Berechtigung hatte? So durfte eine Frau in den 50er Jahren kein eigenes Konto führen und ohne Zustimmung des Ehemannes auch keinen Beruf ergreifen. Dennoch bleibt festzuhalten: Ohne geschickte Argumente wäre der progressive Kampf kaum gelungen. Wer glaubt schon, dass die heutigen Linken im Adenauer-Deutschland in der Lage gewesen wären, die Gleichberechtigung zu erstreiten? Sie hätten den „Alten“ als weißen, heterosexuellen, cis-gender Mann beschimpft – viel mehr wäre ihnen nicht eingefallen.

Linke sollten – schon aus Eigeninteresse – selbstkritisch ihre Argumentationsstil hinterfragen. Bekanntermaßen waren bei der Bundestagswahl nur 1/3 der AfD-Wähler von ihrer Partei überzeugt, 2/3 sahen in der Partei das kleinere Übel im Vergleich zu anderen Parteien. Wer merkt, dass den Linken die Fähigkeit zur logischen Argumentation abhanden gekommen ist, traut ihnen wohl auch sonst keine logische Politik zu.

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